Unbenanntes Dokument Die Chronik des Maifestes

Der Maibaum und das Aufstellen

Das Aufstellen des Maibaums ist ein alter Brauch, der vor allem im Rheinland und in Bayern vorkommt. Während jedoch die bayrischen Bäume mit Kränzen geschmückt werden, so verschönern die Maiburschen in unserer Region ihre Bäume mit Plümen. Diese Maibaumart kann man vor allem in ländlichen Gegenden vorfinden. In der Stadt lebt die Tradition nur noch im „Richtmai“ zum Richtfest eines Hauses fort.

Traditionell stellt der Junggeselle den Maibaum in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai. Zur Unterstützung dieser schweren Arbeit wird meistens ein kräftiger Schluck Bier gereicht. Der Dorfsmaibaum wird meistens in der Nähe einer Kirche oder Gaststätte aufgestellt. Besonders erwähnenswert ist, dass heutzutage die Dorfsmaibäume, die oftmals die höchsten Gebäude des Dorfes überragen, von größerer Bedeutung sind. Das Aufstellen der so genannten „Maie“, die Bäume für die Mädchen, ist jedoch eine weit größere und längere Tradition. Diese Bäume sollen vor dem Fenster der Auserwählten aufgestellt werden und dort genau einen Monat stehen bleiben. Wenn der Baum früher weggenommen wird, so ist das traditionell ein Zeichen der Zurückweisung seitens der Angebeteten.

Bei dem Maibaum handelte es sich ursprünglich um eine Birke, da dieser Baum als erster aus der Winterruhe erwacht. Er steht als Symbol für Fruchtbarkeitsriten früherer Zeiten. Außerdem gilt der Maibaum als festliches Symbol für die Ankunft des Lichtes, der Wärme und der Fruchtbarkeit. Früher mussten Maibäume, um ihren Zauber auf das gewählte Mädel entwickeln zu können, in der Walpurgisnacht geschlagen werden.

Die Birke als Zeichen für Freiheit war im 19.Jahrhundert weit verbreitet. Die Amerikaner zeigten sie auf ihrer Fahne, in Frankreich war sie ein Zeichen der Revolution. In Deutschland verschwand der Baum als Zeichen der Freiheit nach der gescheiterten Revolution von 1848.

Die Tradition des Maibaumsaufstellens geht zurück bis ins 16.Jahrhundert. Ein Bild des Malers Donauer aus dem Jahr 1585 zeigt erstmals einen Maibaum in all seiner Pracht. In den folgenden Jahrzehnten taucht das Motiv des Maibaums in zahlreichen Bildern und Motivtafeln auf.

Insbesondere Handwerksgilden stellten früher die Maibäume auf. Diese wurden reichlich verziert und mit einer Symboltafel der jeweiligen Gilde geschmückt. Je reicher die Gilde war, desto größer und prächtiger war der Maibaum. Im Rheinland sind jedoch „private“ Maibäume von jeher bekannter und von größerer Bedeutung.

Das Maibaumstehlen ist ein ebenso alter Brauch, wie das Maibaumaufstellen. Traditionell stellte dies eher einen Wettstreit zwischen benachbarten Dörfern dar. Eine Gesellschaft bewachte ihren Baum, während der Mainacht. Sollte er dennoch gestohlen werden, so war er gegen eine bestimmte Menge Bier einzutauschen. Sollte eine Gesellschaft den eigenen Baum nicht zurückkaufen wollen, so wird ihr als gerechte Strafe ein so genannter Schandbaum gestellt. Auch ist vorgeschrieben, dass nur solche Gruppen einen Maibaum stehlen dürfen, die selber einen besitzen und somit bewachen müssen.

Leider ist diese Tradition heutzutage eher verflacht und immer mehr Halbstarke machen sich einen Witz daraus, in der Mainacht willkürlich Bäume zu fällen und zu stehlen. Dies entspricht jedoch in keiner Weise der Tradition und hat schon oftmals zu heftigen Auseinandersetzungen geführt.

Der 1. Mai ist nicht nur in unserem Kulturkreis eine große und alte Tradition. Selbst in Hawaii gibt es zu diesem Tage bestimmte Rituale. Jedoch sind dort die wahren Ursprünge kaum noch zu erkennen, da sie, wie heute leider üblich, ein Opfer des Kommerz geworden sind.

In verschiedenen schriftlichen Quellen wird das Aufstellen eines Baums zu Beginn des Mais bereits zu Beginn des 2.Jahrtausends erwähnt. Diese Tradition hat ihre Wurzeln wohl in einem unbekannten heidnischen Brauch. Gewiss sind jedoch die schweren Zeiten, die dieser Brauch durchmachte. Immer wieder sollte er verboten werden. Die Kirche sprach sich gegen den Maibaum aus, da er eine Gotteslästerung darstellte und es rund um die Feste immer wieder zu so genanntem „haltlosem Treiben“ kam. Außerdem sorgten sich Waldbesitzer um ihre Bestände und versuchten junge Burschen von ihren Wäldern fernzuhalten. Sollten diese es jedoch schaffen einen Baum zu schlagen und aufzustellen, so waren sie Helden. Nach Meinung Einiger sind sie das auch heute noch!

Einen besonders guten Grund, sich für das Beibehalten der Tradition des Baumstellens auszusprechen hatten auch die Soldaten, bekamen sie doch in der Nacht zum 01. Mai Freibier von gütigen Bürgern.

Besonders schön finde ich folgende Beschreibung, die mir auch sehr bekannt vorkommt:

„Während diese (die Besucher) sich meist mit Bier und Bratwürsten die Zeit vertreiben, mühen sich rund ein Dutzend junger Burschen damit ab, den Maibaum in die richtige Lage zu bringen. Dies geschieht unter der Führung eines erfahrenen Mannes, der das Kommando führt.“


Ursprung

Der Ursprung des 1. Mai als Feiertag liegt erstaunlicherweise in den USA. Genauer gesagt in Chicago. Im Jahre 1886 kommt es in dieser Stadt zu zahlreichen Streiks der Arbeiterschaft. Diese fordern den 8-Stunden-Tag und eine Verbesserung ihrer Arbeitsverhältnisse. Am 1. Mai legen ca. 25.000 Arbeiter die Arbeit nieder und es kommt zu Demonstrationen in weiten Teilen der Industriestadt. Doch diese Streiks sollen sich nicht nur auf Chicago beschränken. Im ganzen Land streiken über 350.000 Arbeiter. In allen wichtigen Industriezentren, zum Beispiel New York, Philadelphia oder Baltimore, ruht die Arbeit.


Anfänge in Europa

Die Streiks in Amerika werden natürlich auch in Europa wahrgenommen. Im Jahre 1889 kommt es auch in der „Alten Welt“ zu ersten Protestaktionen. Wieder wird der 1. Mai gewählt und die Arbeiter haben folgende Ziele:

  • 8-Stunden-Tag
  • freier Sonntag
  • Verbot der Kinderarbeit
  • Arbeitsschutzrecht
  • allgemeines Wahlrecht
  • Koalitionsfreiheit

Wie in diesen Zeiten üblich, reagieren die Arbeitgeber nicht gerade verständnisvoll auf die Forderungen ihrer Arbeiter. Es kommt zu Aussperrungen, wodurch zahlreiche Arbeiter ihre Arbeit verlieren. Schwarze Listen werden erstellt und Arbeiter gezielt beobachtet. Die Arbeitgeber setzen außerdem Streikbrecher ein, die die Moral der Streikenden brechen und für Unruhe in deren Reihen sorgen sollen. Trotz aller Drohungen von Seiten der Arbeitgeber nehmen in diesem Jahr über 100.000 Arbeiter an Streiks und sogenannten Maispaziergängen teil.

Im folgenden Jahr wir der 1. Mai von der SPD zum „Feiertag der Arbeiter“ erklärt, jedoch bleibt eine gesetzliche Regelung aus. Wieder rufen Parteien und Gewerkschaften zu Streiks auf. Um jedoch den Unmut unter den Arbeitgebern nicht zu sehr zu schüren, verlangen sie Rücksichtsnahme auf die wirtschaftliche Lage der Betriebe. Wo möglich, finden Umzüge und Feiern für die Arbeiter statt.


Weiterentwicklung im 20. Jahrhundert

In den folgenden Jahren kommt es immer am 1. Mai zu Aktionen der Arbeiterschaft, in denen sie ihren Unmut äußern. Die besondere Bedeutung dieses Tages geht auch im fortschreitenden 20.Jahrhundert nicht verloren.

Während des 1.Weltkrieges untersagen die Sozialdemokraten Aktionen zum ersten Mai. Sie wollen der Polizei und dem Militär keinen Vorwand zu Eingriffen irgendeiner Art geben. Jedoch sehen sie und weite Teile der Arbeiterschaft die mittlerweile traditionelle Arbeitsruhe am 1. Mai als Streik.

Mit Beendigung des Krieges erhalten die Sozialdemokraten eine große Chance, die Bedeutung des 1. Mai hervorzuheben. Zunächst wird der 1. Mai 1919 von der Weimarer Nationalversammlung zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Forderungen der Arbeiter, z.B. Einführung des 8-Stunden-Tages und das Frauenwahlrecht, werden erfüllt. Trotz dieser Fortschritte kommt es nicht zu einer allgemeinen gesetzlichen Regelung des 1. Mai. Dies unterliegt weiterhin den einzelnen Länderregierungen. Jedoch kommt es nur in wenigen Ländern, z.B. Braunschweig, Lübeck oder Sachsen, zu gesetzlichen Regelungen.

Auch in den kommenden Jahren finden an jedem 1. Mai Kundegebungen statt. In deren Mittelpunkt stehen die Verteidigung und Erweiterung der errungenen Rechte und Freiheiten. Die aufkommende Solidarität zu Russland wächst stetig. Jedoch wird der 1. Mai auch zu politischen Zecken genutzt. Vor allem die KPD nutzt diesen Tag zu politischen Veranstaltungen. Jedoch kommt es kaum zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Ganz im Gegensatz zu den blutigen Unruhen, die sich in zahlreichen europäischen Ländern alljährlich wiederholen. Vor allem Italien, Frankreich oder Polen sind von diesen unerfreulichen Ereignissen betroffen.


Der 1. Mai zur Zeit des Nationalsozialismus

Als die Nationalsozialisten im Jahre 1933 die Macht in Deutschland übernehmen, nutzen sie den 1. Mai zu ihrem Vorteilen und verzerren die Bedeutung dieses Feiertags. Zunächst wird der 1. Mai 1933 zum „Tag der Nationalen Arbeit“ erklärt und von diesem Jahr an ist dieser Tag ein gesetzlicher Feiertag. Dies bedeutet jedoch keineswegs einen Sieg der Arbeiterschaft, denn sie müssen einen hohen Preis zahlen – die Gewerkschaften werden verboten. Gewerkschaftler werden inhaftiert, ihre Vermögen einkassiert und die Presseorgane verboten.

In kleinen Kreisen jedoch wird der 1. Mai und seine Tradition weiterhin gefeiert, womit ein hohes Risiko eingegangen wird. Die Nationalsozialisten veranstalten pompöse Feiern und inszenieren große Aufmärsche. Das Volk soll beruhigt und gleichzeitig begeistert werden. Kommunisten und Sozialisten begehen ihre eigenen Feste zum 1. Mai, wenn auch zum Großteil hinter Zuchthausmauern. Die Nationalsozialisten veranstalten einen Marsch, während aus den Zellen der Zuchthäuser die „Internationale“ erklingt. Ein solches Szenario spielt sich in mehreren deutschen Städten ab. Auch während des 2.Weltkriegs kommt es immer wieder zu illegalen Aktionen; so erscheint alljährlich ein Flugblatt der KPD. Selbst in den Konzentrationslagern finden zum 1. Mai Zusammenkünfte statt.

Man kann sehen, dass trotz allen Missbrauchs der Nationalsozialisten, der wahre Kern des 1. Mai erhalten wird. Dies ist nicht zuletzt den symbolträchtigen und oftmals sehr riskanten Aktionen im Untergrund zu verdanken.


Die Zeit nach 1945

Nach Beendigung des 2.Weltkriegs wird der 1. Mai 1946 zunächst vom alliierten Kontrollrat bestätigt. Maikundgebungen dürfen jedoch in beschränkter Form durchgeführt werden. Dies ändert sich erst mit der Gründung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im Jahre 1949. Dessen geschäftsführender Vorstand ist für die Durchführung von Maiveranstaltungen verantwortlich. Maiaufrufe werden beschlossen und ab 1951 sollen diese von kulturellen Veranstaltungen begleitet werden.

Auch politische Parteien, vor allem die SPD, schätzen weiterhin den 1. Mai als Festtag mit besonderer Bedeutung. Den traditionellen Kundgebungen folgen oftmals Tanzveranstaltungen. Zahlreiche Maigruppen und –vereine wurden gegründet, um das Maibrauchtum zu erhalten.


Der 1. Mai heute

Wie bereits im Vorwort erwähnt hat der 1. Mai für jeden eine andere Bedeutung. Für den ersten ist es eben nur eine freier Tag, für den zweiten ist es der Beginn des Maispiels, für den dritten weiter der Tag an dem man demonstrieren muss und für den vierten eine gute Gelegenheit ein Konzert oder ein Motorradtreffen zu besuchen. Insgesamt kann man sagen, dass der 1. Mai für Viele eine willkommene Gelegenheit zum geselligen Beisammensein ist.

Auch in der heutigen Zeit ist der 1. Mai der „Tag der Arbeit“ und ein Feiertag, der zumindest in unserer Region mit zahlreichen Traditionen verbunden ist.


Maibrauchtum (Rheinland)

Das Maibrauchtum im Rheinland ist, wie viele lokale Brauchtümer, sehr speziell und unterscheidet sich in großen Teilen sogar von Dorf zu Dorf.

In vielen Dörfern findet ein Verkauf der Maibräute statt. Dabei werden alle "Jungfrauen", also die unverheirateten Mädchen ab 16 Jahren, unter den Junggesellen eines Dorfes versteigert. So wird die Maikönigin ermittelt. Dies zu organisieren ist Aufgabe der Maigesellschaften, der Junggesellenvereine. Der Höchstbietende des Maiverkaufs ist bis zum nächsten Jahr der Maikönig des Ortes. Zu Ehren von Maikönigin und Maikönig wird das Maifest gefeiert wird. Dieses Brauchtum wird nicht überall einheitlich veranstaltet, sondern wird je nach Dorf in verschiedenen Formen gefeiert.

Oftmals wird ein großer aufwendig geschmückter Maibaum im Dorf aufgestellt. Die Maibäume sind beliebte Trophäen für die Nachbardörfer, indem sie abgesägt werden.

Junggesellen stecken ihrer Liebsten einen mehr oder minder großen Mai, d.h. sie schmücken einen Baum (i.d.R. eine Birke) oder wenigstens einen Birkenzweig/-ast und befestigen ihn am Haus/Fenster der Auswerählten.

In vielen Dörfern, werden den Maifrauen aber auch Maiherzen oder Maibilder, Maie genannt, gehangen.


Maiherz

Diese Kunstwerke werden in einer aufwendigen Verarbeitung von Kreppapier, welches zu "Rosen" gedreht wird, hergestellt. So arbeitet man an einem Mai je nach Motiv und Engagement unter Umständen mehrere Monate.

All diese Maie werden in der Nacht zum 1. Mai, nachdem sie aufgestellt oder -gehangen worden sind, von den Junggesellen bewacht, damit sie nicht von Konkurrenten gestohlen werden.

Maibaum und Maie werden erst am Monatsende abgebrochen / abgehangen.

Maibaum in Waldsassen

Maibaum in Waldsassen

Kinderumzug mit Maibaum in Ochsenfurt in den 1930er Jahren

Kinderumzug mit Maibaum in Ochsenfurt in den 1930er Jahren

Ein Maibaum wird aufgestellt

Ein Maibaum wird aufgestellt

Maibaumkraxler – Der Brauch des Maibaumbesteigens wird vor allem in den Alpenländern gepflegt

Maibaumkraxler – Der Brauch des Maibaumbesteigens wird vor allem in den Alpenländern gepflegt

Der Maibaum wird mit Hilfe langer Stangenpaare, sog. 'Schwalben', aufgestellt

Der Maibaum wird mit Hilfe langer Stangenpaare, sog. "Schwalben", aufgestellt

Maibaum in Oberdischingen

Maibaum in Oberdischingen

Mittsommerbaum in Schweden

Mittsommerbaum in Schweden

Ein Maibaum ist ein geschmückter Baum oder Baumstamm. Das Aufstellen eines Maibaumes mit dem damit verbundenen Dorf- oder Stadtfest, das in der Regel am letzten Tag des Aprils, am 1. Mai, an Pfingsten oder am Johannistag stattfindet, ist ein in vielen Teilen Mittel- und Nordeuropas verbreiteter Brauch.


Varianten

Es gibt verschiedene Typen von Maibäumen. Einerseits große, hochstämmige Dorfmaibäume, die an zentralem Platz im Ort bei einer festlichen Veranstaltung aufgerichtet werden. Daneben gibt es aber auch den Brauch, dass die jungen, unverheirateten Männer eines Dorfes vor den Häusern aller unverheirateten Frauen kleinere Maibäume (meistens Birken) als "Gunstbeweis" aufstellen.

In einigen Teilen Deutschlands schließlich, zum Beispiel im Rheinland, ist es üblich, dass männliche Jugendliche und junge Männer nur am Haus ihrer Freundin oder Angebeteten einen Baum anbringen. Üblich sind vor allem mit buntem Krepp-Papier geschmückte Birken. In einem Schaltjahr kann es umgekehrt sein: weibliche Jugendliche und junge Frauen stellen teilweise auch ihrerseits Maibäume. Das Gegenstück zum Maibaum, dem "Gunstbeweis", ist die gestellte Tanne, die eine bösgemeinte Heimzahlung darstellt.

In Österreich wird in manchen Regionen zusätzlich zur Aufstellung des Dorfmaibaumes auch ein Maistrich gezogen.

Nicht am Vorabend des 1. Mai, sondern zu Pfingsten wird ein Maibaum besonderer Prägung auf der Nordseeinsel Borkum aufgestellt, die diese besondere Tradition mit der niederländischen Insel Schiermonnikoog gemein hat.

In der Schweizer Gemeinde Seewen gilt das Maibaumstellen eines total anderen Gebrauches. Hier werden die Maibäume jedes Jahr am 1. Mai von den Jungbürgern gestellt. Die Männer, die in diesem Jahr das 18. Lebensjahr erreichen fällen und stellen den Baum (Fichte) in die Dorfmitte von Seewen. Die Frauen, die ebenfalls das 18. Lebensjahr erreichen schmücken cirka 80 cm hohe Tannenbäumchen mit Schleifen und Bädern und befestigen diese an den zahlreichen Brunnen des Dorfes.


Aufstellen des Baumes

Entweder wird der Maibaum jedes Jahr neu gefällt, oder es wird jedes Jahr derselbe Stamm verwendet. In Ostfriesland zum Beispiel wird der Stamm unter Wasser gelagert und jedes Jahr zum Mai wieder hervorgeholt. Meistens sind oder werden die Stämme geschält, bevor sie unter anderem mit bunten Girlanden, Tannengrün oder Krepp-Papier geschmückt werden. Am oberen Ende wird er meistens von einem Kranz und auf der Spitze von einer frisch geschlagenen jungen Birke gekrönt.

Direkt vor dem Aufstellen wird der Baum je nach Region in einer Art Prozession durchs Dorf getragen, deren Ziel oft ein zentraler Platz und/oder eine Gaststätte ist und die meistens von Zuschauern und einer Blaskapelle begleitet wird. Dort findet dann nachmittags oder gegen Abend das eigentliche Aufstellen des Baums statt.

Während sich die Zuschauer meistens mit Bier und Bratwürsten die Zeit vertreiben, mühen sich die jungen Burschen damit ab, den regional auch mit Symbolen verschiedenener Berufe geschmücken Maibaum in die richtige Lage zu bringen.

Während der Maibaum früher meistens mit Hilfe langer Stangen aufgestellt wurde, nimmt man heute auch Traktoren, Gabelstapler oder sogar Kräne zuhilfe.

Wenn, wie in Ostfriesland, der Baum am Vorabend des 1. Mai aufgestellt wird, dann geht die Veranstaltung meistens in einen Maitanz über.

Der Maibaum bleibt je nach lokalem Brauch bis zum Monatsende stehen und wird dann an einem Wochenende wieder umgelegt, abgeschmückt und der Stamm für das nächste Jahr eingelagert.


Der Brauch des Maibaumstehlens

Vor allem das Stehlen des Maibaumes ist ein oft ausgeübter Brauch. In der Nacht vor dem Aufstellen wird der Maibaum meistens von jungen Männern bewacht.

Um das Entwenden des Maibaums zu verhindern, muss nach dem Brauch in Ostfriesland spätestens bei Annäherung von Fremden einer der Wächter eine Hand am Baum haben. Schaffen es die Gegner, dieses zu verhindern oder die Wächter so abzulenken, dass sie ihre Pflicht vernachlässigen und dann drei Spatenstiche gegen den Baum auszuführen, gilt der Baum als gestohlen. Er wird mit einem Schild versehen, auf dem der Sachverhalt vermerkt ist, und entweder gleich oder am folgenden Tag abgeholt und neben dem eigenen Baum der erfolgreichen Diebe aufgestellt. In den meisten Teilen Österreichs gilt ein Maibaum erst dann als gestohlen, wenn er von den Dieben vollständig umgelegt wurde, oder erst wenn er bereits vom ursprünglichen Standort abtransportiert wurde. Es gilt als Regel, dass nur der Maibäume stehlen darf, der auch selber einen aufgestellt hat.

Der Maibaumdiebstahl unterliegt Regeln, zu denen zumindest in Bayern ganz sicher auch gehört, dass die Polizei sehr kulant ist in der Verfolgung der "Straftat". Wer von sich aus als Bestohlener die Polizei einschaltet, hat Respekt und Achtung in den Nachbargemeinden schnell verloren, das gehört sich einfach nicht.

Wann und wie darf nun geklaut werden? Zunächst muss in Bayern das Objekt der Maibaumdiebesbegierde bereits gefällt sein. Ein noch fest verwurzelter Baum, von dem nur bekannt ist, dass er als Maibaum gewählt wurde, darf deshalb nicht entwendet werden. Liegt der Baum nach dem fällen, darf er dennoch nicht schon aus dem Wald gestohlen werden, das wäre immer noch Holzdiebstahl!

Nach der bayerischen Tradition dürfte er eigentlich nur in der Walpurgisnacht selbst geraubt werden, und nur, wenn er sich innerhalb des Ortes befindet, in dem er aufgestellt werden soll. Denn erst jetzt besitzt er die Kraft eines Fruchtbarkeitssymbols.

Legt schließlich während des Klauversuches ein irgendwie doch noch aufgeweckter / aufgetauchter Maibaumwächter seine Hand auf den Baum, darf der so geschützte Maibaum von Maibaumdieben nicht mehr angerührt werden. Auch wenn der Diebstahl noch während des Abtransportes innerhalb der Gemeindegrenzen entdeckt wird, muss der Baum zurückgegeben werden. Bereits aufgestellte Maibäume können ebenfalls nicht mehr gestohlen werden.

Gestohlene Bäume müssen später wieder ausgelöst werden. Dazu begibt sich eine Abordnung der Bestohlenen zu den Dieben und handelt den Preis aus, der üblicher Weise in Naturalien (Getränke und Essen) zu entrichten ist. Scheitern die Verhandlungen und wird der Maibaum nicht ausgelöst, stellen ihn in Bayern die neuen "Besitzer" als Schandmal für das Nachbardorf / den Nachbarstadtteil und als zusätzlichen Segensbringer für ihren eigenen Ort auf. Nach einigen Wochen wird die Beute dann zersägt und versteigert. Oft wird an diesem "Schandbaum" dann eine Tafel befestigt, auf der die Maibaumdiebe ihre Enttäuschung durch Spottverse zum Ausdruck bringen

In manchen Teilen Österreichs ist es auch üblich, das sich die Diebe des Maibaums in einem öffentlichem Schauprozess verantworten müssen, und in diesem durch geschicktes Verhandeln die Strafe für ihren dreisten Diebstahl niedrig halten können. Zusammenfassend kann man sagen, solange der Maibaum noch nicht aufgestellt ist, kann er gestohlen werden, egal wo dieser liegt (solange er schon als Maibaum zu erkennen ist, also ohne Rinde und Äste!).


Maiherzen

In NRW findet sich ein erweiteter Brauch des Mausbaum Setzens. Hier bringt man am Fenster seiner Liebsten einen sog. Mai in Form eines selbst gebastelten Maiherzens oder Bildes an. Dazu dreht man kleine Röschen oder Kügelchen aus buntem Krepppapier und fügt sie auf einer Styroporplatte zu einem Motiv zusammen. In der Nacht zum ersten Mai hängt man seinen Mai dann auf und bewacht ihn bis zum Sonnenaufgang hin, da er sonst gestohlen werden darf. Seine Liebste weckt man natürlich nicht, stattdessen hinterlässt man ihr einen Brief am Fenster.


Ursprünge

Die Tradition des Maibaumaufstellens mag noch verhältnismäßig "jung" sein, steht aber in einem weit in die Vorzeit zurückreichenden Zusammenhang. Die Umsetzung solcher Kultpfähle wie dem Maibaum, aber in Stein, ist der Menhir in den Kulturen der Großsteinbauer und der Obelisk in Altägypten.

Die ursprünglich zugrunde liegenden Vorstellungen beruhen auf einer Symbolik aus dem Schamanismus der eurasischen Völker, die sogar bei den Ureinwohnern Amerikas noch auffindbar sind. Es ist das Symbol des Baumes, der die Verbindung zur jenseitigen Welt herstellt und dem Schamanen den Aufstieg dorthin ermöglicht.

Auch die altgermanische Weltenesche Yggdrasil gehört in diesen Vorstellungskreis ebenso wie die Symbolik der zentralen Zeltstange der Jurte zentral- und ostasiatischer Nomadenstämme. Und Bilder von bestimmten Ritualen des amerikanischen Sonnentanzes erinnern sowohl an die Baumsymbolik wie auch an die Geschichte von Odins Selbstopfer - wobei beide möglicherweise zusätzlich durch christliche Vorstellungen beeinflusst wurden. Auch die altsächsische Irminsul, die einst von Karl dem Grossen zerstört wurde, weist einige Parallelen zum Maibaum auf.

In den Kanon der Frühlingsfeste fügt sich das Aufstellen des Maibaums über die zugrunde liegenden Vorstellungen der Lebenserneuerung, wie sie in den genannten schamanistischen Ritualen bis hin zur Mythologie der Sonnentanzreligion verbreitet sind. Dem trägt auch die offenbare Sexualsymbolik des Maibaums Rechnung.

Der Maibaum hatte die kultische Bedeutung eines "Riesen-Phallus", der in die leben gebärende Erde gerammt wurde und auf diese Weise die Götterhochzeit versinnbildlichte. Der Maikranz, der an der Spitze angebracht wurde, konnte einerseits Symbol der Vulva, andererseits durch die darin eingeflochtenen jungen Reiser und Heilpflanzen Symbol für neues Leben und Gesundheit sein.

Der enge Zusammenhang Maibaum - Erdmutter ist heute noch daraus ableitbar, dass der Maibaum jetzt vielerorts auch "Marienbaum" genannt wird.

Der Phallus war Symbol für die schöpferische lebens weckende Kraft des Himmels, die ja vor allem gerade für das damalige bäuerliche Leben von ungeheurer Wichtigkeit war. Ohne diese Kraft gab es kein Leben und keine überlebenswichtige Fruchtbarkeit.

Und mit dem Tanz und dem Verweben und Verknüpfen der Bänder (Bändertanz um den Maibaum) drückte man sowohl eine erotisches Geschehen unter den Geschlechtern aus als auch die Verknüpfung der drei Welten (Himmel, Erde Anderswelt), die durch den Maibaum auch symbolisiert werden und nun fest in das Gefüge des Lebens selbst eingewoben werden.

Diese Ideen waren zumindest in der Romantik (19. Jahrhundert) sehr verbreitet, heute spricht kaum ein Volkskundler mehr von diesen "Ursprüngen", die sich so nicht nachweisen lassen. Zudem tauchten die ersten Maibäume in Städten auf, so dass keine Verbindung zu einem agrarischen Bauernkult gefunden werden kann.

In seiner heutigen hohen Form mit belassener grüner Spitze und Kranz geschmückt ist der Maibaum schon seit dem 16. Jahrhundert bekannt, allerdings in anderen Funktionen, wie als Kirchweihbaum, als Ehrenmaibaum für Individuen oder als mit Preisen behängte Kletterstange. Seit dem 19. Jahrhundert kam er (vor allem in Bayern) auch als Ortsmaibaum für die nun selbstständigen Gemeinden (als Symbol ihres Selbstbewusstseins) auf. Rund um den Maibaum hat sich im Laufe der Zeit allerdings sehr viel lokales Brauchtum entwickelt, das sich vielfach sogar von Dorf zu Dorf erheblich unterscheidet.

Dem Maibaum verwandt ist der Mittsommerbaum in Schweden.


Rekordmaibaum

Der Rekordmaibaum steht in Reichenkirchen (Gemeinde Fraunberg) bei Erding und hat eine Länge von 50,5 Metern.


Walpurgisnacht

findet die Walpurgisnacht (ähnlich dem keltischen Fest Beltane) als Mondfest in der Nacht des ersten Vollmondes zwischen der Frühjahrstagundnachtgleiche und der Sommersonnenwende statt. Traditionell gilt jedoch die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai als die Nacht, in der angeblich die Hexen insbesondere auf dem Blocksberg (eigentlich Brocken), aber auch an anderen erhöhten Orten ein großes Fest abhalten und auf die Ankunft des "gehörnten Gottes" warten. Im Rahmen der Christianisierung des Abendlandes wurde der Kult der Walpurgisnacht und verwandter Kulte (z. B. antiker Pan-Kult) im wahrsten Sinne des Wortes "ver-teufelt": aus dem gehörnten Gott, dem Symbol des Männlichen, welches sich in dieser Nacht mit dem Weiblichen vereinigt, wurde der Teufel.


Mythologie

Der Name Walpurgisnacht leitet sich von der dem Tag der Heiligsprechung (1. Mai) der heiligen Walpurga (auch Walburga, die Beschützerin vor den Hexen) vorausgehenden Nacht ab. Nach altem Brauch beginnt ein Fest oder Gedenktag mit dem Sonnenuntergang des Vortages.


Tradition und Brauchtum

Viele Walpurgisriten leben in bäuerlichen Maibräuchen fort. Im Volksbrauchtum schützte man seinen Hof durch nächtliches Peitschenknallen, ausgelegte Besen und Maibüsche. Der Maibaum, meist eine Birke, ist zugleich Fruchtbarkeitssymbol und Repräsentant des Weltenbaums. Zu Walpurgis werden traditionell die Maibäume aus dem Wald in den Ort geholt, um sie der Liebsten vor das Haus zu stellen. In der Dorfmitte wird um den Baum getanzt. Der Baum symbolisiert so die Fruchtbarkeit der Natur, die zu den Menschen gebracht wird. Rituelle Liebesakte auf den Feldern in vorchristlicher Zeit sollten angeblich die menschliche Fruchtbarkeit auf den Ackerboden übertragen.

Viele der Bräuche bei Frühlingsfesten ranken sich um junge Paare, die symbolisch für die menschliche Gemeinschaft stehen. Der Gang zwischen zwei Walpurgisfeuern soll reinigen und Seuchen fernhalten. Die auch heute noch in weiten Teilen Deutschlands gefeierten Hexenfeuer gehen mutmaßlich auf diese Tradition zurück. Mit der sehr rigoros gehandhabten Christianisierung nicht nur in Deutschland wurden diese alten Bräuche als heidnisch verdammt, die ursprüngliche, nach Ansicht einiger Forscher auf matriarchalische Gesellschaftsstrukturen zurückgehende Bedeutung ging verloren und in harmlos-ländlichem Jugendbrauchtum auf. (Siehe auch Walpurgisnacht und matriarchales Weltbild)

Für die Walpurgisnacht gibt es viele Wetterregeln wie:

  • Regen auf Walpurgisnacht hat nie ein gutes Jahr gebracht.

aber auch:

  • Ist die Hexennacht voll Regen, wird's ein Jahr mit reichlich Segen.

Der 1. Mai soll für die Kelten einer der wichtigsten Tage ihres religiösen Jahres gewesen sein: Sie feierten den Beginn der Sommerzeit, in der die Erde wieder zum Leben erwacht. Auch die Germanen kannten mutmaßlich derartige Frühlingsfeste. Sie feierten es mit Freudenfeuern und befragten die "weisen Frauen", die "Hagazussen", die in den "heiligen Hainen" angeblich auf der Schwelle zwischen der Menschen- und der Geisterwelt saßen, nach der Zukunft.

Mit Beginn der Christianisierung wurde der "heidnische Hokuspokus" zu Treffen finsterer Mächte umgedeutet und die Hagazussen wurden als "Hexen", als weibliche Verkörperung des Bösen, die mit dem Teufel im Bunde waren, diffamiert. So wurde in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai weiter um das Feuer getanzt - jetzt allerdings zur Abwehr der Hexen. Die Menschen zogen weiter lärmend durch die Straßen. Nicht mehr, um den Frühling zu begrüßen, sondern um Geisterwesen zu verscheuchen. Zum Schutz vor den Hexen malte man weiße Kreuze an Häuser und Stallungen oder streute geweihtes Salz auf die Türschwellen. Die Besen wurden in dieser Nacht mit dem Reisig nach oben aufgestellt. Mancherorts war es üblich, dass die jungen Männer mit Peitschen knallend durch die Straßen zogen.

Die Bräuche haben sich im Laufe der Zeit gewandelt. Die wenigsten wissen wahrscheinlich noch um den Ursprung der Walpurgisnacht. Übrig geblieben ist teilweise nur noch das als Schabernack gedachte Beschädigen und Entwenden des Eigentums Anderer, um diese zu ärgern. Auf dem Brocken, dem Hexentanzplatz und der benachbarten Rosstrappe - mutmaßliche Zentren des alten heidnischen Walpurgisnacht-Brauchtums im Harz - ist davon heute nur noch eine Touristenattraktion übrig geblieben.


Hexenfeuer, Maifeuer, Tanz in den Mai

Das Hexenfeuer (auch Maifeuer, Tanz in den Mai genannt) wird in weiten Teilen Deutschlands gefeiert. Dazu wird am 30. April ein Feuer entfacht, mit dem man "die bösen Geister" vertreiben will.

Dies wird bis spät in die Nacht gefeiert. Auf dem Hexenfeuer stehen gelegentlich "Hexen", die meist von der Jugend angefertigt worden sind.

Heutzutage hat diese Tradition jedoch nur noch wenig mit Aberglauben oder Hexenverbrennung zu tun, sondern ist mehr als Volksfest anzusehen, nicht selten in Verbindung mit erhöhtem Konsum von Alkohol als "christliche" Variante der mit Hexensalbe, Fliegenpilzen und anderen natürlichen Rauschmitteln herbeigeführten Rauschzuständen in vorchristlicher Zeit.

Der Tanz in den Mai ist die moderne Form des alten Brauches, den Beginn des Mai (1.5.) in der Walpurgisnacht (30.4.) mit Tanz und Gesang zu begrüßen und dabei Maibowle zu trinken.

Neben reinen Tanzveranstaltungen wird auch gelegentlich der Brauch gepflegt, sich ähnlich wie zu Halloween oder Karneval zu verkleiden und „Hexentänze“ aufzuführen.

In Österreich wird meist am Abend oder am Vormittag des 1. Mai ein Maibaum aufgestellt, der in der Regel eine Fichte oder Tanne ist.

Vereinzelt gibt es auch den den Brauch des Maistrichs: Dabei werden in der Nacht weiße Linien mit Kreide, Kalk o. ä. bei heimlich Verliebten vom Haus des einen zum Haus des Anderen gezogen und somit öffentlich gemacht.
Stand: 24.05.2018
[Seitenanfang] [Kontakt] [Impressum] [Änderungen] [Haftungsauschluss]